DIAKO Flensburg – Interview mit Jürgen Freitag (Technischer Leiter) und Fritz Petersen (Technischer Koordinator)

DIAKO Flensburg – Interview mit Jürgen Freitag (Technischer Leiter) und Fritz Petersen (Technischer Koordinator)

Das Klimaschutzteam der DIAKO: Fritz Petersen (Technischer Koordinator) und Jürgen Freitag (Technischer Leiter) mit den beiden Praktikantinnen Lisa Pauli und Lena Petersen (v.l.n.r.)

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Fritz Petersen: Meine persönliche Motivation mich für den Klimaschutz einzusetzen manifestiert sich in einem Zitat von Konrad Lorenz: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“. Dieses Zitat haben wir auch hier in der DIAKO als Unternehmensphilosophie übernommen. Wenn man dies verinnerlicht, dann weiß man was zu tun ist und wie behutsam wir mit der Erde umgehen müssen. Deshalb setze ich mich im Privaten, wie im Dienstlichen gleichermaßen intensiv für den Klimaschutz ein – das wo es umsetzbar ist.
Jürgen Freitag: Mein persönliches Ziel ist es diese Welt für unsere Kinder zu erhalten. Kinder sind unsere Zukunft, von daher passt der Slogan von Herrn Petersen optimal. Die DIAKO ist ja ein kirchlicher Träger und somit bedienen wir uns auch der Schöpfung. Die Welt ist von Gott erschaffen und wir haben die Aufgabe diese Welt zu erhalten. Deswegen ist die DIAKO nicht nur Mitglied im Klimapakt, sondern unterstützt die diversen Klimaschutz-Maßnahmen, die wir hier an diesem Standort aber auch an anderen Standorten schon durchgeführt haben.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Fritz Petersen: Wir beschäftigen uns hier in der DIAKO schon Jahrzehnte lang mit dem Umwelt- und Klimaschutz und können eine ganze Menge vorweisen, was wir in den vergangenen Jahren gemacht haben. Zum Beispiel haben wir die gesamte Zentral-OP-Abteilung nach unseren Möglichkeiten energetisch saniert. Außerdem nutzen wir seit dem Kraftwerksunglück in Fukushima nur noch Öko- und keinen Atomstrom mehr. Des weiteren haben wir durch Fördermittel 800 Fenster ausgetauscht, Dächer und Fassaden und unsere Heizungsanlage saniert. Alle diese Maßnahmen haben in Summe eine ganze Menge für den Klimaschutz getan. Und auch die Zukunft hält noch viele spannende Projekte bereit, die Herr Freitag noch umsetzen will und wird.
Jürgen Freitag: Ja. Durch die sehr umfangreichen Maßnahmen in der Vergangenheit können wir uns nun auf bestimmte Bereiche konzentrieren und diese Optimieren. Ein zentrales Thema ist die Dezentralisierung der Dampferzeugung und der Kälteversorgung. Diese Projekte wollen wir in Zukunft intensiv angehen, weil wir hier noch großes Potenzial für die Einsparung von CO2-Emissionene sehen. Hierzu haben wir auch zwei Bachelorarbeiten ausgeschrieben.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Jürgen Freitag: Die Umsetzung solcher Maßnahmen lässt uns regelmäßig über unsere Energieverbräuche reflektieren und nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten suchen. Dies fördert das Bewusstsein für die Wichtigkeit in Bezug auf den Klimaschutz.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Fritz Petersen: Wir als DIAKO wollen uns mit zwei Projekten bei der Energie-Challenge bewerben. Dies ist zum einen die bereits angesprochene Dezentralisierung der Dampferzeugung. Wir erhoffen uns dadurch, die Dampfversorgung zu optimieren und weniger Verluste bei der Bereitstellung zu haben. Zudem können wir so den Heizölverbrauch enorm senken, da die dezentrale Dampferzeugung mit Strom geschehen soll. Zum anderen wollen wir die Kälteerzeugung hier im Krankenhaus optimieren. Hier besteht ein großes Stromspar-Potenzial. Dazu haben wir wie gesagt zwei Bachelorarbeiten ausgeschrieben, um Studenten zu finden, die uns bei der Bearbeitung dieser Projekte unterstützen und die Machbarkeit überprüfen und bewerten. So etwas ist ja immer auch eine Investitionsentscheidung.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Jürgen Freitag: Die Mitarbeiter der DIAKO denken ähnlich wie wir und schauen ebenfalls, was sie für den Klimaschutz tun können. Zudem nutzen wir natürlich die verschiedenen Klimapakt-Aktionen, um zu motivieren, zu informieren und Anreize zu setzen. Gut, dass es den Klimapakt für so etwas gibt.
Die Krankenhausleitung und der Vorstand streben zudem weitere Projekte an. Wir haben tollerweise einen enormen Anteil an Fahrradfahrern und –Fahrerinnen unter den Mitarbeitern und diesen wollen wir gerne noch weiter ausbauen. Daher möchten wir, wie auch schon viele andere Klimapakt-Mitglieder, in Zukunft das E-Bike-Leasing für die Mitarbeiter zur Verfügung stellen.
Fritz Petersen: So ein Fahrrad ist ja auch körperliche Ertüchtigung. Das hält fit und so können wir vermeiden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Patienten werden (lacht). Hier in der DIAKO hat die Anzahl der Fahrradfahrer deutlich zugenommen, auch über den Winter. Das ist fantastisch.
Jürgen Freitag: Wir haben an unserem Fahrradstellplatz auch eine Lademöglichkeit für E-Bikes.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Fritz Petersen: Ich denke und hoffe, dass der ÖPNV noch attraktiver wird. Wenn dieser gut funktioniert, dann braucht man auch kein eigenes Auto mehr. Da reicht dann das Car-Sharing. Das könnte ich mir für Flensburg 2050 sehr gut vorstellen. Außerdem werden sich die verschiedenen Lebensbereiche stark weiterentwickeln, durch die Wissenschaft und ihre Innovationen. Besonders in Bezug auf die Antriebstechniken im Mobilitätsbereich. Denn vom Öl müssen wir wegkommen.
Jürgen Freitag: Der ÖPNV wird in Zukunft das A und O sein und die Entwicklung alternativer Antriebsformen. In meiner Vorstellung sind die Menschen alle viel fitter, da sie viel zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Das sieht man ja jetzt schon, dass viel mehr ältere Menschen, die vorher nicht gut Fahrradfahren konnten, durch die E-Bike-Unterstützung auf einmal wieder fahren können und viel mobiler sind. Das ist doch eine Win-Win-Situation, für die Gesundheit und den Klimaschutz (lacht). Ich glaube die Menschen werden in Zukunft diesbezüglich in jedem Fall sensibler. Der Klimapakt ist dafür auch ein ideales Instrument, die Fahne hoch zu halten und Bewusstsein dafür zu schaffen.

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Jürgen Freitag: Ich persönlich versuche so viel wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Außerdem sehe ich zu, dass meine Leuchtmittel zu Hause alle energieeffizient sind oder bei Bedarf entsprechend gewechselt werden. Insgesamt versuche ich den Verbrauch von Primärenergie da wo es geht zu minimieren.
Fritz Petersen: Das habe ich Privat zum größten Teil auch schon gemacht. Das Haus ist soweit es geht gedämmt – grade bin ich dabei das letzte Zimmer fertig zu machen und energetisch effizient zu isolieren. Auch die Leuchtmittel sind weitestgehend auf LED umgestellt. Was den Individualverkehr angeht versuche ich immer genau zu überlegen, ob ich eine Strecke wirklich mit dem Auto fahren muss oder ob es auch mit dem Fahrrad oder ÖPNV geht. Solche Dinge kann man ganz simpel ändern und so die CO2-Bilanz reduzieren. Der Klimaschutzgedanke ist besonders wenn man Kinder hat immer da und sollte auch immer da sein. Das versuche ich auch an meine Kinder und Enkelkinder weiterzugeben, denn die sind die Zukunft.

DIAKO_ohne