Adelby 1 – Interview mit Geschäftsführer Heiko Frost

Adelby 1 – Interview mit Geschäftsführer Heiko Frost

Geschäftsführer Heiko Frost (3. von links) mit seinen Kollegen und Kolleginnen Britta Glöe, Katharina Hansen, Nina Jebsen, Janine Jagdmann, Birte Mettendorf, Lars Helge Rüter, Kathrin Clausen, Oliver Hansen (v.l.n.r.) und dem Klimaschutzmanager der Stadt Flensburg Eyke Bittner (rechts im Bild).

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Klimaschutz ist mir absolut wichtig, insbesondere im Bereich der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE). Vor kurzem wurde ich beispielsweise in die Kommission des Bildungsministeriums für BNE berufen. Dies ist hier auch schon von Haus aus ein Thema und als eine Maßnahme leitete sich daraus natürlich ab Mitglied im Klimapakt zu werden. Denn zu einer nachhaltigen Entwicklung gehört der Klimaschutz ganz klar dazu. Wir sind ein inklusiver Träger, d.h. bei uns ist ganzheitliches Denken das A und O. Und ganzheitlich kann ich nur denken, wenn ich auch die Erde und das Klima mit berücksichtige. Sonst funktioniert es nicht.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Das eben Gesagte ist zu unserer Unternehmensphilosophie geworden seit ich hier die Geschicke lenken darf. Durch unseren ganzheitlichen Ansatz und die Schwerpunktlegung auf die Naturpädagogik, gehören Klimaschutz und Bildung zu den wesentlichen Themen.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Das eine ist natürlich der Ausbau der Naturpädagogik, um bei den Kindern die Grundlage für ökologisch bewusstes Handeln zu legen. Wir befinden uns in der Expansion und wollen mehr auf Natur-Kitas setzen. Hinzu kommt, dass wir bei Neubauten und Sanierungen natürlich auch energetische und sonstige klimarelevante Aspekte berücksichtigen. Und dann gibt es noch die Klassiker, die zum Teil auch schon automatisch umgesetzt werden, z.B. die Berücksichtigung von Klimaschutzaspekten bei unserem Fahrzeugpark, insbesondere bei Neuanschaffungen. Auch CarSharing und E-Mobilität möchte ich in Zukunft nach Möglichkeit mit berücksichtigen.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Natürlich. Positive Effekte haben wir schon durch unsere neuen Gebäude, die energieeffizient gebaut wurden. Und das zeigt sich z.B. ganz profan bei den niedrigeren Kosten. Deshalb werden wir zusätzlich in Zukunft bei Gebäuden, die wir aus eigener Kraft nicht sinnvoll energetisch sanieren können, nach Alternativen schauen.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Ich stelle mir verschiedene Maßnahmen vor. Als erstes will ich schauen was die Mitarbeiter vor Ort für konkrete Ideen haben. Das werde ich demnächst ausschreiben. Wie können wir effektiv noch mehr für den Klimaschutz tun und wie können wir unsere Emissionen verringern? Da möchte ich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch wirklich mit drin sind. Ich als Geschäftsführer könnte viele Maßnahmen verordnen – aber das ist nicht mein Weg. Ich möchte, dass dies von allen gelebt wird und dann bin ich mir auch sicher, dass da einiges zurückkommen wird.
Das Zweite ist zu schauen, wie wir zusammen mit den Kindern Klimaschutzthemen noch intensiver behandeln können. Zum Beispiel, dass man jeden Monat ein Projekt zu einem anderen relevanten Themenbereich umsetzt und somit das Bewusstsein bei den Kindern noch mehr erweitert. Grade bei BNE ist das ja manchmal ziemlich eklatant. Ich habe vor kurzem einen tollen Vortrag in Berlin gehört, wo unter anderem aufgeführt wurde, dass zwar ca. 40% der Jugendlichen sagen, sie würden sich nachhaltig verhalten, aber grade in Bezug auf das Kaufverhalten tun es tatsächlich nur rund 17%. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt – den Kindern die Wichtigkeit des Themas Klimaschutz und Nachhaltigkeit bewusst zu machen und zu zeigen was man im Alltag anders machen kann. Ich kann mir gut vorstellen etwas in diese Richtung zu initiieren.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Wie schon angedeutet möchte ich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit integrieren. Daher werde ich einen internen Wettbewerb ausschreiben, mit einem netten kleinen Preis. Wer hat die beste Idee, wie man noch etwas für den Klimaschutz tun und Emissionen senken kann. Das ist schon konkret für mich in der Vorbereitung und da kann ich mir vorstellen, dass da vieles kommt.
Grade die Mitarbeiter vor Ort wissen ja am besten was man machen kann –  und wenn es nur so profane Dinge sind, wie die Umstellung auf LEDs. Aber die einfachsten Dinge, die oft so naheliegend sind, sind ja häufig auch sehr wirkungsvoll. Eine absolute Win-Win-Sache.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Tatsächlich erst einmal eine autofreie Innenstadt. Auf dem Weg dorthin gehört für mich auch der massive Ausbau von CarSharing dazu. Im zweiten Schritt steht die Maßnahme, dass alle PKWs emissionsfrei werden. Da gibt es ja schon viele technische Innovationen, die dazu beitragen können. Zudem werden alle Industrieanlagen CO2-neutral laufen und alle Gebäude so energetisch sinnvoll wie möglich gebaut. Es gibt ja schon emissionsfreie Häuser. Wenn es da ein Bau-Programm gäbe, wodurch das unterstützt wird, das wäre toll. Ich bin jetzt voll drin in der Vision (lacht). Es gibt so ein paar Faktoren, wenn die gegeben wären, dann wird „Flensburg 2050 CO2-neutral“ völlig unproblematisch zu bewerkstelligen.

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Da fällt mir sofort das Ei vom glücklichen Huhn ein – ich bin im ersten Leben Landwirt gewesen. Als Verbraucher habe ich die Möglichkeit durch mein Konsumverhalten etwas zu ändern. Dies versuche ich durch bewusstes Einkaufen zu tun, z.B. indem ich Eier kaufe, von denen ich weiß, dass die Hühner es vorher gut hatten. Eine kleine Tat mit der man schon viel bewirken kann. Das tue ich sicherlich noch nicht zu 100% in jedem Bereich, aber da versuche mich Stück für Stück ran zu tasten. Zudem planen wir grade wie wir unser Haus energetisch sanieren können. Wir schauen, was ist eine gute Lösung, die die Emissionen senkt und gleichzeitig für uns tragfähig und bezahlbar ist.