Stadtwerke Flensburg – Interview mit Geschäftsführer Maik Render und Klaus Schrader

Stadtwerke Flensburg – Interview mit Geschäftsführer Maik Render und Klaus Schrader

Stadtwerke Flensburg-Geschäftsführer Maik Render mit Elisabeth Kose (Projektmanagerin Energie-Challenge) und Klaus Schrader (Geschäftsführer Klimapakt Flensburg)(v.l.n.r.).

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Render: Ich setze mich intensiv mit dem Weltgeschehen auseinander und bin auch Vater. So resultiert meine persönliche Motivation vor allem daraus, dass ich nicht möchte, dass wir heute zu Lasten unserer Erbengenerationen derart viele Ressourcen verbrauchen, wie wir es aktuell tun.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Render: Die Stadtwerke Flensburg sind schon sehr lange Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Mit der Etablierung der Kraft-Wärme-Kopplung 1969 fing alles an – Strom und Wärme werden seitdem gleichzeitig in einem gekoppelten Prozess produziert. Die daraus resultierende hohe Effizienz mit einer Brennstoffausnutzung von über 80% bringt neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch Vorteile für die Umwelt. Flensburg ist heute die einzige größere Stadt in Deutschland, die mit nahezu 100% Fernwärme versorgt wird – ökologischer geht es kaum.
Seit 2011 haben wir das Ziel immer grüner zu werden in unserer Unternehmensstrategie als eines von zwei Pflichtzielen verankert. Hier ist auch die konsequente Einhaltung eines Öko-Pflichtkatalogs festgelegt. Zudem haben wir uns Rahmenparameter auferlegt, z.B. darf grüne Energie-Gewinnung niemals wieder durch andere Energie-Erzeugungsmaßnahmen ersetzt werden. Was einmal grün ist, bleibt grün!

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Render: Vor einigen Jahren haben wir das Projekt „greenco2ncept“ gestartet. Ziel ist unser Kraftwerk bis 2050 CO2-neutral zu betreiben. Dafür haben wir die größte Investition der Geschichte der Stadtwerke getätigt und zwei alte Kohlekessel durch eine neue moderne Gas- und Dampfturbinenanlage ersetzt. Diese stößt bei gleicher Leistung fast 40% weniger CO2 aus. Das ist ein extrem großer Schritt, sowas passiert alle 20-25 Jahre.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was machen wir als nächstes? Im Fokus stehen nun viele kleine Maßnahmen, wie z.B. die Einbindung einer Biogasanlage oder auch die Nutzung von Klärwerk-Fernwärme. Durch diese „kleinen“ Schritte, können wir aber auch sehr viel erreichen.
Ein weiteres Handlungsfeld, das zunächst einmal nicht „grün“ erscheint, ist die kontinuierliche Erhöhung der Effizienz in unserem Kraftwerk. Viele Menschen polarisieren zur Zeit sehr stark: Grüne Energie ist das Beste und Kohle steht auf der anderen Seite der Skala. Aber so einfach ist es nicht. Durch die Verbesserung unseres Wirkungsgrads um 1 % können wir fast 2.500 t Kohle und somit rund 9.000 t CO2 sparen. Das ist nur eine der Maßnahmen, die wir auf unserer Treppe hin zur CO2-Neutralität 2050 verfolgen. Technisch können wir die Neutralität sicherlich auch schon ab morgen umsetzen, aber das wäre mit immensen Kosten verbunden, die sich dann in den Preisen widerspiegeln würden.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Render: Die Mitarbeiter sind sehr motiviert, da sie nachvollziehen können, dass Energiesparen sinnvoll ist. Wir gestalten unsere Aktivitäten sehr transparent und kommunizieren es auch, wenn wir Energieeinsparungen erfolgreich umgesetzt haben. Damit sparen wir zudem Geld. Das geben wir im Rahmen unseres Vorschlagswesens an die Mitarbeiter weiter und können dann sagen – ihr habt das mit eurem Engagement verdient!
Schrader: Hinzu kommt ein deutlicher Image-Gewinn, denn auch die Kunden sehen was wir tun. Aber auch das Netzwerk, das durch die Klimapakt-Mitgliedschaft zusammen mit den anderen Akteuren entsteht, ist positiv zu erwähnen – man tauscht sich aus und motiviert sich gegenseitig.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Render: Wir haben Ideen ohne Ende. Speisewasser-Rückgewinnung, Hallenabwärme-Nutzung, E-Autos – grade heute haben wir einen Förderbescheid bekommen, um in den nächsten 13 Monaten sieben neue Elektrofahrzeuge kaufen zu können. Wir haben auch eine eigene Fahrradfahr-Aktion. Jeder Mitarbeiter, der mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, erhält einen Stempel und sobald die Stempelkarte voll ist, gibt es eine kleine monetäre Anerkennung. Unter allen Maßnahmen wird Herr Schrader ein, zwei auswählen, mit denen wir uns dann für die Energie-Challenge bewerben.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Render: Zunächst einmal möchte ich persönlich ein Vorbild für die Kolleginnen und Kollegen sein. Bei der „Wir radeln zur Arbeit“-Kampagne bin ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gekommen. Oder ich mache das Licht aus, wenn ich aus dem Büro gehe. Das sind Kleinigkeiten, die aber kumuliert ein großes Potenzial haben Energie zu sparen. Darauf müssen wir aber auch hinweisen. Nicht mit Druck, das funktioniert nicht, sondern indem wir die Einsparungen transparent kommunizieren oder auch mal mit einem zwinkernden Auge Aufklärung leisten. Wir haben beispielsweise einige Videos gedreht, in denen wir auf humorvolle Weise und nicht mit dem Zeigefinger auf Energiesparmöglichkeiten hinweisen. Ein Spot hat Druckluftverluste im Kraftwerk als Thema. Wenn die Mitarbeiter hier ein Leck finden und darauf hinweisen oder andere Energieeinsparmaßnahmen vorschlagen, gibt es nach Art des betrieblichen Vorschlagswesens Prämien. So versuchen wir die Mitarbeiter zu motivieren.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Render: Persönlich glaube ich, dass man vieles sehr viel schneller umsetzen könnte. Gerade in dem Dreieck Fahrräder, Fußgänger und Autos. Wer schon mal in einer Stadt wie Kopenhagen Fahrrad gefahren ist, in der das Radfahren von der Politik stark vorangetrieben wird, der weiß wie es auch anders gehen kann. Nur Fahrräder bedeutet auch weniger Lärm. Überlegen Sie doch auch mal wie viel mehr Platz man ohne Autos in der Flensburger Innenstadt oder direkt am Wasser hätte. Ich denke 2050 werden wir ganz anders mobil sein. Auch Strom aus erneuerbaren Energien wird technisch kein Thema mehr sein. Wohnen werden wir jedoch ähnlich wie heute, denke ich.
Persönlich bin ich unzufrieden damit, dass alles so langsam voran geht. Da braucht es mehr Unterstützung von der Verwaltungsseite. Als Stadtwerke sind wir gemessen an anderen Energieversorgern in unserer Entwicklung aber sehr schnell. Insgesamt bin ich mir sicher, die CO2-Neutralität 2050 zu schaffen!

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Render: Ich versuche, so viel wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Zum Beispiel zum Einkaufen – eine Kiste Bier schaffe ich schon noch (lacht). Dazu bin ich vor allem durch die Klimapakt-Kampagne „Wir radeln zur Arbeit“ gekommen. Ich habe mir gesagt, jetzt bist du im Klimapakt-Vorstand, jetzt machst du das. Meine Lebensqualität hat sich dadurch auch verbessert.
Vor ein paar Jahren hat die Klasse meines Sohns das Thema Plastiktüten bearbeitet. Seitdem gibt es jedes Mal etwas auf die Finger, wenn ich eine Plastiktüte beim Einkaufen benutze. Der Stoffbeutel ist inzwischen Normalität. Kein Mensch braucht Plastiktüten. Zudem habe ich natürlich Ökostrom von den Stadtwerken zu Hause.