VGSF – Interview mit Sven Gorzelniaski und Jan-Hendrik Möser

VGSF – Interview mit Sven Gorzelniaski und Jan-Hendrik Möser

Jan-Hendrik Möser (Geschäftsführer VGSF – 1.v.l.) und Sven Gorzelniaski (Geschäftsführer Omnibusbetrieb Gorzelniaski – 4.v.r.) mit ihren Kolleginnen und Kollegen Lena Uhle, Natascha Neubert, Florian Scheufler, Andreas Meng, Julia Andersen und Ralf Hansen-Borg (v.l.n.r.).

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Gorzelniaski: Jeder Mensch möchte eine gesunde (Um)Welt haben, da kann keiner etwas gegen sagen. Und insbesondere wenn man Kinder hat, möchte man, dass diese in Zukunft noch eine genauso ressourcenreiche und schöne Welt haben wie wir heute. Meine Motivation liegt daher vor allem darin, dass wir als in der Öffentlichkeit stehendes Unternehmen eine absolute Vorreiterrolle innehaben und deshalb mit gutem Beispiel vorangehen müssen. Wenn wir es nicht tun, dann können wir auch nicht erwarten, dass die Anderen diesen Weg gehen. Deshalb ist meine Motivation anderen zu zeigen „Hey, es ist alles gar nicht so schwer! Redet euch das nicht schlecht, sondern seid positiv und macht einfach mal den ersten Schritt.“
Möser: Richtig. Es geht vor allem darum, erst einmal zu Beginnen und sich für die gute Sache einzusetzen. Dadurch sammelt man ja auch Erfahrungen. Aber wenn es keiner macht, dann wird sich auch nie etwas ändern.
Gorzelniaski: Das hat letztendlich auch ein Art Suchtwirkung. Wenn man etwas Gutes beginnt, und da gehört das Engagement im Klimaschutz eindeutig dazu, dann lässt die Begeisterung nicht lange auf sich warten.
Möser: Da stimme ich Herrn Gorzelniaski voll und ganz zu.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Gorzelniaski: Wir wollen den anderen vor machen, dass Engagement im Klimaschutz ganz einfach ist. Da fangen wir schon bei den Mitarbeitern an. Wir haben z.B. zwei E-Bikes, die die Mitarbeiter jederzeit nutzen können. So lernen sie die E-Bikes kennen und kommen vielleicht selber auf den Geschmack sich privat eins zu kaufen. Da unterstützen wir die Mitarbeiter gerne drin, z.B. wenn es um die Finanzierung geht. Aber auch im Verwaltungsbereich und in der Beschaffung arbeiten wir überwiegend mit nachhaltigen Produkten. Beim Bio-Kaffee angefangen haben wir beispielsweise auch kompostierbare Kugelschreiber. Auch das versuchen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitzugeben, dass es wichtig ist in den verschiedenen Bereichen bewusst zu handeln. Und wenn ich durch meine Penetranz (lacht)  ein bisschen was erreichen kann, dann ist es mir das wert. Insbesondere die jüngeren Generationen sind unsere große Hoffnung etwas zu bewegen. Und in dem was ich hier tue versuche ich meinen Teil zum großen Ganzen beizutragen.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Gorzelniaski: Klar, Mobilität ist der Schwerpunkt bei der VGSF. Wir haben rund um Flensburg insgesamt weit über 300 Busse im Einsatz und da ist die Hauptaufgabe natürlich, dass wir in diesem Bereich überwiegend CO2-neutral werden.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Gorzelniaski: Ökonomisch gesehen sind die positiven Entwicklungen eher marginal. Wenn man sich auf einen neuen Bereich einlässt, dann muss man erst einmal investieren. Hinzu kommen die Erfahrungen, die man sammeln muss z.B. in Bezug auf die neue Hybridtechnik. Zudem ist die Förderung in diesem Bereich eher suboptimal. Da muss noch eine ganze Menge passieren. Aber dennoch sollte man sein Engagement für die gute Sache nicht nur von so etwas abhängig machen.
Aber menschlich und moralisch bekommt man ganz viel zurück und das ist das Entscheidende und das was mir letztendlich auch solche Freude macht – die Menschen die wahrnehmen, dass wir im Klimaschutz aktiv sind. Da habe ich auch das Gefühl, dass sich das auf die Anderen auswirkt. Man wird als Unternehmen ganz anders gesehen.
Möser: Ich bin voll und ganz der Meinung von Herrn Gorzelniaski. Wir stehen als Anbieter des ÖPNV im öffentlichen Fokus und müssen einfach etwas tun. Auch wenn wir am Ende vielleicht keinen direkten Gewinn oder Effekt sehen. Einfach nur der Sache wegen. In diesem Falle: Wachrütteln – z.B. durch den Einsatz von Hybridfahrzeugen.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Gorzelniaski: Unser Plan ist die Strecke Eggebek-Tarp-Flensburg-Glücksburg durchgehend mit Hybridbussen zu bedienen. Das heißt die Fahrgäste müssen nicht mehr umsteigen. Neben der Umweltfreundlichkeit durch die emissionsärmeren Busse können wir so auch den ÖPNV noch attraktiver machen. Grade auch im Freizeit- und im Tourismusbereich kann das einen zusätzlichen Anreiz bieten. Zudem muss man nicht mehr zwangsläufig mit dem PKW fahren, sondern kann auch ganz einfach den Bus nehmen. Diese Verbindung ist im Prinzip der Prototyp, um die erwähnten Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, funktioniert das so? Ziel ist es, dieses Konzept in Zukunft auszuweiten und auf andere Linien umzulegen. Wir finden, dass das eine tolle Sache ist.
Möser: Ja!

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Gorzelniaski: Wie ich grade schon ansprach stellen wir unseren Mitarbeiter E-Fahrräder zur Verfügung und versuchen auch im Bereich Ernährung und Konsum aufzuklären. Außerdem haben wir einen E-Smart von dem die Mitarbeiter ganz begeistert sind. Die zugehörige E-Tankstelle dürfen die Mitarbeiter auch gerne privat umsonst nutzen, sollten sie sich ein E-Auto oder -Fahrrad anschaffen.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Gorzelniaski: Ich fände es phänomenal, wenn wir vom Bahnhof bis zum Harniskai und bis in die Neustadt einen Fahrradweg über die alten Bahngleise hätten. So kann ich einmal komplett durch Flensburg fahren mit dem Fahrrad. Absolut genial! Ich hoffe das kommt. Das wäre auch ein super Anreiz, um auf das Auto zu verzichten.
Grundsätzlich bin ich gespannt, wie sich die Leute 2050 fortbewegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ÖPNV bis dahin noch mit normalen Verbrennungsmotoren fährt. Das wird bis dahin alles in irgendeiner Form elektrifiziert sein oder eine andere alternative Antriebsform haben. Autos wird es immer noch geben, aber eher im Sinne von erhaltenswerten Oldtimern. Aber das wird glaube ich nicht sonderlich stören, sondern die jüngeren Leute eher freuen: „Oh, schau mal, so sind die früher gefahren. Die Kisten stinken ohne Ende und sind laut und das fanden die auch noch toll.“ (lacht)
Möser: Und da sitzen dann alte Männer wie wir drin und freuen uns. (lacht)
Gorzelniaski: Das ist aber auch noch so unglaublich weit weg. Da bin ich wieder bei dem, was ich vorhin ansprach: Der Weg ist das Ziel.

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Möser: Oh, da haben Sie mich auf dem falschen Fuß erwischt. Privat gibt es bei mir noch eine Menge Verbesserungspotenzial. Herr Gorzelniaski macht das viel besser als ich…
Gorzelniaski: Seit einigen Jahren haben wir eine Solaranlage, um Heizung und Warmwasser zu unterstützen. Hinzu kommt in diesem Bereich der Bezug von Ökostrom – sowohl im Privaten, als auch in der Firma. Dann gibt es bei uns noch das große Thema Bewegung und Fahrradfahren – wobei wir hier sicherlich noch besser werden können. Immerhin ärgere ich mich schon jedes Mal darüber, wenn es mir auffällt, dass ich statt des Autos auch das Fahrrad hätte nehmen können. Aber das ist ein Thema, das ich in Zukunft noch konsequenter angehen will. Fahrradfahren macht ja auch einfach Spaß – und man kriegt den Kopf frei.
Was aber bei uns ein wirklich großes Thema ist, ist die nachhaltige Ernährung. Wir sind alle Vegetarier mit einem Hang zum Veganen. Nicht fanatisch, aber wir gucken schon wo wir tierische Produkte durch pflanzliche Alternativen ersetzen können. Das hat ebenfalls einen immensen Effekt auf die CO2-Emissionen und somit auch auf den Klimaschutz. Da könnten wir in unserer Gesellschaft noch viel mehr machen, denke ich. Jeder der unkontrolliert vor sich hin konsumiert und den letzten Mist bei Aldi etc. kauft, der muss sich am Ende nicht wundern, dass es so ist wie es ist auf der Welt. Da gibt es einen Zusammenhang. Und nicht zu vergessen ist der Tierschutz, zu dem man durch eine möglichst tierproduktfreie Ernährung beitragen kann. Das ist vor allem ein ethisch-moralischer Gesichtspunkt, doch auch diesen finde ich wichtig zu berücksichtigen. Zudem kann der Boykott von Massentierhaltung dem Klimaschutz helfen, da diese zu einem großen Teil zu den CO2-Emissionen beiträgt.