Malteser Norddeutschland gGmbH – Interview mit Malteser Klimaschutz-Team

Malteser Norddeutschland gGmbH – Interview mit Malteser Klimaschutz-Team

Das engagierte Klimaschutz-Team der Malteser: Ingmar Koch (Leiter Einkauf), Franziska Mumm (Öffentlichkeitsarbeit), Helmut Andresen (Kaufmännischer Direktor und Personalleiter), Carsten Godbersen (Technischer Leiter) (v.l.n.r.)

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Die persönliche Motivation rührt natürlich daher, dass niemandem von uns verborgen bleibt, dass sich das Klima ändert und dass wir Menschen hauptverantwortlich dafür sind. Das heißt, wenn wir die negativen Folgen in Grenzen halten wollen, müssen wir alle etwas dafür tun. Zuerst muss jeder bei sich anfangen und wir in unserer professionellen Verantwortung wollen auch bei uns im Unternehmen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Andresen: Wir haben uns in den Malteser-Leitlinien die Selbstverpflichtung auferlegt, sorgsam mit allen Ressourcen umzugehen und verfolgen seit Jahren die Strategie, unsere Energieverbräuche kontinuierlich zu senken.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Andresen: Wir arbeiten an verschiedenen Fronten. Die Reduzierung von Energieverbräuchen bzw. das Umstellen von fossiler auf nachhaltige Energieträger ist etwas, was wir permanent verfolgen. Hinzu kommt eine ressourcenschonende Beschaffung und die damit einhergehende Vermeidung von Abfall. Hier verfolgen wir verschiedenste Maßnahmen und sind damit auch seit Jahren erfolgreich.
Godbersen: Beispielsweise rüsten wir derzeit sukzessive unsere Dampfversorgung von einer zentralen in eine dezentrale Erzeugung um. So haben wir weniger Verluste in den Leitungen und können damit tausende Liter Heizöl im Jahr einsparen.
Andresen: Das vorrangige Ziel, welches wir jedoch in den nächsten Jahren verfolgen, ist bei unseren knapp 800 Mitarbeitern ein Bewusstsein für umwelt- und klimaschonendes Verhalten zu schaffen – nicht nur hier im Krankenhaus, sondern auch Zuhause. Das ist eine sehr große Herausforderung und Chance, die es für uns anzugehen gilt. Was nützt es, wenn wir technisch umrüsten und damit effizienter werden, aber unser aller Verhalten das Alte bleibt?

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Andresen: Die Energie-Challenge kam deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben uns überlegt, das Projekt zu nutzen und ein Maßnahmen-Paket für unsere Mitarbeitenden zu erstellen, um dieses Bewusstsein zu schaffen und alternative Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeigen.
Mumm: Genau. Wir haben in mehreren Sitzungen erarbeitet, was wir tun können, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr in die Klimaschutzthemen mit einzubinden. Wir machen also das Jahr 2016 zum Klimajahr für die Mitarbeitenden. Wir haben es „Energie-Strategie 2016: Gemeinsam viel erreichen“ genannt. Wir werden ab Mai jedem Monat ein klimarelevantes Motto geben, welches im Mittelpunkt steht. Zunächst werden wir im Mai über den Klimaschutz, die bisher durchgeführten Maßnahmen und den Klimapakt informieren. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen vielleicht den Klimapakt, wissen aber nicht unmbedingt inwiefern das Franziskus sich dort engagiert und welches die Ziele sind. Weiter geht es beispielsweise mit einer ausgedehnten „Wir radeln zu Arbeit“-Aktion, gerade im Sommer kann man das ja prima machen. Wir wollen zudem das E-Bike-Leasing für unsere Mitarbeiter zugänglich machen. Dann haben wir noch das Thema Ernährung, wir wollen eine Mitfahrzentrale etablieren, Car-Sharing zugänglich machen und über richtiges Heizen und Stromsparen informieren. Und und und. So haben wir jeden Monat ein tolles Thema und werden dann 2017 schauen, ob sich Veränderungen feststellen lassen.
Andresen: Ja, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können und sollen zudem selbst Ideen einreichen, wenn ihnen ein bestimmtes Thema oder Projekt in diesem Bereich sehr am Herzen liegt.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Mumm: Mit diesem Projekt wollen wir die Mitarbeiter motivieren, sich Gedanken zu machen und sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen.
Andresen: Was uns vor allen Dingen überzeugt hat, dass die Mitarbeiter stärker in den Fokus unserer Klimaschutz-Aktivitäten gerückt werden sollen, ist folgender Punkt: Meist sind es ja nur kleine Schritte, die man als Einzelner für den Umwelt- und Klimaschutz gehen kann. Aber unsere 800 Mitarbeiter sind natürlich auch Multiplikatoren. Das, was sie hier mitnehmen und erfahren, können sie auch Zuhause umsetzen und an Freunde und Familie weitergeben. So können wir es schaffen, dass aus kleinen Schritten Große werden.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Andresen: Das sehe ich als Kaufmann natürlich vor allem in dem Zwang zur Wirtschaftlichkeit und den sinkenden Kosten, die sich beispielweise durch Energieeinsparungen ergeben. Diese überschüssigen Mittel können wir dann wiederum in weitere Maßnahmen investieren, die unseren Patienten und der Energieeinsparung zugutekommen.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Andresen: Also ich stelle mir vor, dass es in Flensburg deutlich mehr Fahrräder gibt und eine hohe Verbreitung von Elektrofahrzeugen, der ÖPNV fährt ja jetzt schon mit Hybridbussen. Ich denke, dass Flensburg in der Außenwahrnehmung noch stärker als Vorbild in Sachen Klimaschutz-Engagement wahrgenommen werden wird.
Mumm: Bis 2050 haben wir noch 34 Jahre Zeit und bis dahin wird sich vieles verändern. Aber schrittweise, so dass es einem gar nicht direkt auffallen wird. Wenn wir jetzt einen Sprung in die Zukunft machen würden, hat sich die Stadt bestimmt sehr verändert.
Koch: Es wird sicherlich auch noch weitere technische Innovationen geben.
Andresen: Das was vor 5 Jahren noch nicht denkbar war, ist heute Realität. Es ist häufig eigentlich nur noch eine Frage des Preises, z.B. wenn man sich die E-Autos anschaut. Insofern kann man in den nächsten Jahren noch eine ganze Menge erwarten. Von daher ist das Ziel 2050 als Stadt CO2-neutral zu sein auch nicht zu hochgesteckt – zumindest für die Unternehmen.
Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Andresen: Seit ein paar Jahren fahre ich bewusst mit dem Fahrrad zum Brötchenholen, oder gehe zu Fuß. Dieses Thema ist vor allem durch den Klimapakt in meinen Fokus gerückt. Zudem habe ich schon seit Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und engagiere mich für Bürgerwindparks.