SBV – Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Raimund Dankowski und Frank Jürgensen

SBV – Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Raimund Dankowski und Frank Jürgensen

Susanne Traeger, Frank Jürgensen, Jürgen Möller, Brar Petersen, Raimund Dankowski (v.l.n.r.) freuen sich auf die Energie-Challenge 2016.

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Dankowski: Ich sehe, dass wir Menschen die Umwelt mehr und mehr zerstören werden, wenn wir so weiterleben wie bisher. Daher will ich mit dem SBV einen Teil dazu beitragen – und da ist einiges was wir als Unternehmen bewegen können. Das ist meine persönliche Hauptmotivation, diese Welt auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Dankowski: Ein großes Ziel ist unsere Häuser energetisch so zu sanieren und, dass trotz der in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten die Menschen, die darin leben, auch weiterhin die Miete bezahlen können. Wir wollen also einen Gleichklang zwischen den Sanierungsmaßnahmen und deren Kosten auf der einen Seite, und den Mieten und derer Bezahlbarkeit auf der anderen Seite schaffen. Das ist eine große Herausforderung mit der sich die technische Abteilung intensiv auseinandersetzt. Und Frank Jürgensen als Abteilungsleiter hat die Expertise das zu tun. Ich bin ja nur der Vorstand (lacht).

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Jürgensen: Der Schwerpunkt mit dem SBV liegt ja insbesondere auf dem Bau und der Modernisierung von Wohnbestand. Hier geht es vor allem um das Energiesparen, denn die beste Energie ist die, die man einspart. Das ist am Ende die Energie, die dafür sorgt, dass die Umwelt nicht weiter geschädigt wird. Wir sind also dabei unsere Gebäude so gut es geht energetisch zu optimieren. Sie werden Wärmegedämmt, die Haustechnik und Heizungsanlagen werden optimiert und wir versuchen im Gespräch mit den Bewohnern neue Wege zu entwickeln, wie man energiesparend wohnen kann. Hier steckt großes Potenzial. Zu vermitteln wie man richtig lebt, lüftet und heizt.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Dankowski: Wir haben vor 3 Jahren den Umweltpreis des Unternehmensverbands Nord bekommen. Dadurch wurde uns von außen noch einmal bestätigt, dass die Umwelt- und Klimaschutz-Maßnahmen, die wir beim SBV umsetzen, wichtig und gut sind. Sie haben einen großen messbaren Erfolg – z.B. was die Einsparungen von CO2 angeht. Und auch unsere Bewohner spüren das, weil sie dadurch weniger Energie verbrauchen – das spart Kosten. Ein Teil dieser Einsparungen wird natürlich durch die mit den Investitionen verbundene Erhöhung der Mieten aufgehoben. Aber das nehmen die Menschen gerne in Kauf, weil ihnen bewusst ist, dass sie damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Jürgensen: Bei der Preisverleihung wurden ebenfalls die vielen anderen Klimaschutz-Aktionen betont, die wir zusätzlich zu den baulichen und gebäudetechnischen Maßnahmen durchführen. Da wäre z.B. der Besitz unseres Elektroautos oder die Pflanzung von Obstbäumen, und die sind für den Umweltschutz ja auch überaus wichtig.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Dankowski: Das haben wir noch nicht abschließend entschieden. Den allergrößten Effekt für den Klimaschutz erzielen wir durch den Abriss alter Gebäude, die wir durch Neue energetisch-moderne ersetzen. Die Quartiersentwicklung in Fruerlund war beispielsweise so ein Projekt, welches einen gewaltigen Effekt bezüglich der Energieverbräuche erzielt hat. Zudem gibt es noch das Engagement der Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang hatte unsere Kollegin Frau Traeger (auf dem Foto ganz links) das Unternehmen untersucht und analysiert, welche Energiespar-Maßnahmen die anderen Kollegen im Unternehmen und im Alltag umsetzen können. Das waren zwar hauptsächlich Kleinigkeiten über die man vielleicht lächeln mag, aber zusammengenommen haben wir damit erheblich Energie eingespart. Also der Strauß ist so vielfältig, dass wir noch gar nicht wissen was wir machen.
Jürgensen: Insbesondere das Mitarbeiter-Engagement finde ich schön und wichtig. Wir hatten für die Optimierung nicht irgendeinen Spezialisten, der uns die Maßnahmen vorgesetzt hat, sondern jemanden, der das Unternehmen kennt und sich täglich mit diesem auseinandersetzt.
Dankowski: Herr Jürgensen hier hat auch schon einen Preis von der UV-Nord bekommen, für sein Engagement. Er ist nämlich auch privat als Energieberater tätig und hat in seiner Freizeit viele Fortbildungen im Fachbereich „Energie“ absolviert.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Dankwoski: Indem wir als Gesamtunternehmen mit gutem Beispiel voran gehen, fördern wir auch die Lust und Einsicht der Mitarbeiter sich mit diesem Thema zu befassen. Hinzu kommt, dass die Arbeit im Klimapakt und dessen Aktionen – wir sind ja von Anfang an dabei – ebenfalls das Bewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geprägt hat. Diese stehen voll dahinter. Nicht nur weil der Vorstand das für eine gute Idee hält, sondern weil sie selbst das Klimaschutz-Engagement für sinnvoll halten. Das hat dazu geführt, dass die Mitarbeiter sich mit den damit einhergehenden Herausforderungen auseinandersetzen und auch selber Ideen entwickeln – wie eben z.B. Frau Traeger und Herr Jürgensen.
Jürgensen: Man merkt immer mehr, dass die Kollegen das hier Erfahrene auch für sich selbst mitnehmen und oft darüber sprechen, was sie auch zu Hause tun können. Das war ein Zeichen, wo ich merkte, es bewegt sich was. Dass es den Klimapakt in Flensburg gibt, bringt etwas – das merkt man einfach.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Dankowski: Elektrische Mobilität – in hohem Maße. Dazu ein noch größerer Anteil an öffentlichem Personennahverkehr. Die Häuser sind energetisch effizient, wobei Nullenergiehäuser per se kaum machbar bzw. bezahlbar sind. Ich hoffe, dass Flensburg so bleibt wie es ist und nicht untergeht, weil der Meeresspiegel immer weiter steigt. Das kann ja durchaus passieren.
Jürgensen: Ich glaube, dass es eine große Rolle spielt wie bis 2050 die Energie hier in Flensburg durch die Stadtwerke erzeugt wird. Davon hängt es sehr stark ab, dass wir die Ziele aus dem Klimapakt auch wirklich erreichen. Denn Häuser brauchen vor allen Dingen Energie – Strom und Wärme. Die große Frage ist wie diese erzeugt wird. Ich glaube, dass wir insbesondere die Sonnenenergie noch mehr nutzen können.
Dankowski: Ja, und Windenergie. Insgesamt glaube ich, dass der Anteil an Erneuerbaren Energien 2050 auf fast 100% ausgebaut worden ist. Da bin ich ganz sicher.

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Dankowski: Wir haben Solarthermie zu Hause, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Zudem versuche ich genau zu überlegen wie ich heize – auch unsere Heizungsanlage haben wir erneuert. Demnächst werden wir sicherlich auch privat ein Elektroauto anschaffen. Hinzu kommt, dass ich mit meiner Familie viel bewusster Essen kaufe. Vor allen Dingen regionaler und je nach Saison, aber auch viel weniger Fleisch. Wir sind keine Vegetarier, aber man kann schon öfter auf das Fleisch in der Mahlzeit verzichten. Das ist kein Problem. Da gibt es ja auch viele tolle Alternativen inzwischen.
Jürgensen: Ja, und auch in diesem Bereich kann man durch bedachtes Einkaufen eine Menge Energie sparen. Diese Verbindung ist vielen Leuten ja häufig leider nicht bewusst.