TBZ – Interview mit Geschäftsführer Heiko Ewen und Jochen Schmidt

TBZ – Interview mit Geschäftsführer Heiko Ewen und Jochen Schmidt

Jochen Schmidt (Bereichsleitung Entwässerung), Burkhard Andresen (Leiter Instandhaltung) und Geschäftsführer Heiko Ewen (v.l.n.r.) vor dem Blockheizkraftwerk im Klärwerk am Kielseng.

Worin besteht Ihre persönliche Motivation, sich mit Ihrem Unternehmen für den Klimapakt/Klimaschutz einzusetzen?
Ewen: Der Klimawandel findet statt, daran gibt es für mich keinen Zweifel und deshalb sollte jeder seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das TBZ spürt den Klimawandel insbesondere durch zunehmende Starkregenereignisse, wodurch wir vermehrt Probleme mit Überlastungen unseres Kanalnetzes haben. Die Beseitigung solcher Überlastungen sind sehr kostenintensiv. Auch wenn wir natürlich die Niederschlagsmengen nicht beeinflussen können, so können wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Wie lautet diesbezüglich Ihre Unternehmensphilosophie, auch im Hinblick auf den Klimapakt/den Klimaschutz?
Ewen: Ökologische Maßnahmen und somit auch Klimaschutz-Ziele haben wir fest in unserer Unternehmensstrategie verankert. Wir wollen die ökologischen Ziele stetig erhöhen. Beispielsweise produzieren wir auf unserer Kläranlage bisher 60% des benötigten Stroms selbst und wollen diesen Anteil in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme bzw. der wichtigste Maßnahmenbereich, um in den nächsten fünf Jahren den Klimaschutz in Ihrem Unternehmen deutlich weiterzubringen?
Ewen: Für uns werden Elektromobilität und andere Geräte, die mit elektrischer Energie betrieben werden eine große Rolle spielen. Solche Produkte werden technisch immer besser und ausgereifter, so dass wir diese in Zukunft auch deutlich mehr nutzen können und werden. Dementsprechend wollen wir unsere Anschaffungen ausrichten.
Insbesondere die technischen Innovationen, die zur Effizienzsteigerung beitragen sind von hoher Wichtigkeit für uns. Beispielsweise nutzen wir seit 2015 den Bio-Abfall der Flensburger Bürgerinnen und Bürger, um mit Hilfe von Vergärungsprozessen Energie zu erzeugen. Des Weiteren haben wir in der Kläranlage eine Turbine installiert, die durch Ausnutzung von Höhenunterschieden im Auslauf der Kläranlage Strom erzeugt.

Spüren Sie aufgrund von Energieeffizienz- und weiteren Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche sind das?
Ewen: Ja. Die Steigerung der Energieerzeugung hilft dabei, dass sich die Investitionen für die zuvor erwähnten Maßnahmen schneller amortisieren. Ein elektrisch betriebener Laubpuster oder Heckenschere haben beispielsweise aufgrund ihrer deutlich geringeren Lautstärke den Vorteil, dass man mit ihnen zu anderen Uhrzeiten in Wohngebieten arbeiten kann. Somit sind wir viel flexibler.

Wissen Sie bereits, mit welcher Maßnahme oder in welchem Maßnahmenbereich Sie sich bei der Energie-Challenge 2016 des Klimapakts bewerben wollen?
Ewen: Durch die Verbrennung von Klärgas entsteht Wärme, die wir zurzeit nur teilweise nutzen können. Gemeinsam mit den Stadtwerken setzen wir gerade ein Projekt um, diese überschüssige Wärme in das Fernwärmenetz der Stadt einzuspeisen.
Schmidt (Bereichsleitung Entwässerung): Wir nutzen den Klärschlamm im Klärwerk, um damit Klärgas (ähnlich dem Biogas) zu erzeugen. Mit diesem Gas betreiben wir ein Blockheizkraftwerk – eine Art Gasmotor, der einen Generator antreibt – und damit generieren wir Strom. Durch den Betrieb des Motors entsteht zusätzlich Wärme, welche wir auf vielfältige Weise nutzen. Es kann aber natürlich sein, dass die Maschinen auch einmal ausfallen. Hierzu haben wir Notkessel, die sind über 20 Jahre alt und werden noch mit Heizöl betrieben. Das ist klimaschutztechnisch natürlich nicht optimal. Deshalb haben wir in Kooperation mit den Stadtwerken überlegt eine Fernwärmeleitung ins Klärwerk zu legen. Somit können wir von uns nicht benötigte überschüssige Wärme in das Netz einspeisen, aber auch im Notfall selbst die Fernwärme nutzen. Die Notkessel benötigen wir dann nicht mehr und auch die überschüssige Wärme wird dadurch gut genutzt, bisher haben wir sie quasi weggeschmissen. Das ist der Grundgedanke hinter dem Projekt.  Eine deutliche Effizienzsteigerung und Verringerung der CO2-Emissionen. 800 von 850 Metern der Leitung sind schon gelegt. Im Frühjahr/Sommer soll alles angeschlossen und eingespielt werden, so dass in der nächsten Heizperiode alles optimal funktioniert. Ohne das sehr gut ausgebaute Fernwärme-Netz der Stadtwerke wäre dieses Projekt gar nicht möglich.

Wie motivieren und fördern Sie ggf. Ihre MitarbeiterInnen, um sich am betrieblichen Klimaschutz zu beteiligen und damit zum Erreichen Ihrer internen Klimaschutzziele beizutragen? Setzen Sie ggf. Anreize?
Ewen: Allem voran wollen wir natürlich die Energie-Challenge dazu nutzen die Mitarbeiter zu motivieren sich über Energiesparmaßnahmen und den Klimaschutz Gedanken zu machen. Außerdem führen wir regelmäßig Trainings zum energiesparenden LKW- und Autofahren durch und planen eine E-Tankstelle einzurichten, um im Mobilitätsbereich Unterstützung zu leisten.

Haben Sie zu der Vision „Flensburg 2050 CO2-neutral“ eine Vorstellung oder ein Bild vor Augen, wie sich dieses in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen widerspiegeln könnte?
Ewen: Viele Flensburger Bürgerinnen und Bürger verhalten sich klimabewusst. Sie lassen beispielsweise ihr Auto für Kurzstrecken stehen und nutzen das Fahrrad, sie sanieren ihre Häuser und Wohnungen energetisch usw. Andere Menschen wird man nur durch Anreize, vor allem finanzielle, oder gesetzliche Regelungen zu einem CO2-neutralen Verhalten bewegen.

Wie versuchen Sie, sich privat im Alltag klimaschutzorientiert zu verhalten?
Ewen: Privat fahre ich möglichst viel Fahrrad und bei längeren Strecken nutze ich gerne die Bahn. In unserem Haus nutze ich energiesparende Technik. Außerdem nutze ich selten Flugzeuge, ich mache gerne Urlaub an und auf der Nord- und Ostsee.