Flensburgs Klimaschützer

Mit der Aktion „Flensburgs Klimaschützer“ werden ausgewählte Menschen, Unternehmen, Institutionen, die sich besonders klimafreundlich verhalten, vom Klimapakt ausgezeichnet. Die Titelträger sollen als Vorbild für andere dienen, Tipps für richtiges Verhalten geben und zum Nachahmen motivieren.

Amir Mokhtar Asadi

Amir Mokhtar Asadi wurde seitens des Klimapaktes für seine Initiierung des Projektes „Repair-Cafe“ mit dem Titel „Flensburgs Klimaschützer“ ausgezeichnet. Herr Asadi wohnt seit 2013 in Deutschland und kommt ursprünglich aus dem Iran. Seit März 2017 studiert er System-Technik an der Hochschule Flensburg im Master-Studiengang und steht hier kurz vor seinem Abschluss. Seine Masterarbeit möchte er zum Thema nachhaltige ÖPNV-Konzepte/Elektro-Busse schreiben. Im „Repair-Cafe“ können in den Räumen der Hochschule Flensburg Interessierte kaputte Gegenstände zusammen mit Fachleuten reparieren. Ziel ist – im Sinne der klimafreundlichen Nachhaltigkeit – die Vermeidung von Müll und unnötige, klimabelastende Neuproduktionen von weiteren Produkten. Des Weiteren sollen die Teilnehmer auch lernen, wie Sie sich zukünftig selbst helfen können – was am ehesten bei der Reparatur von Fahrrädern der Fall ist. Gleichzeitig stellt das „Repair-Cafe“ auch einen Sozialtreffpunkt dar und es werden durch die rein ehrenamtliche Tätigkeit Menschen unterstützt, die finanziell nicht in der Lage sind, Reparaturen durch den Fachhandel erledigen zu lassen. Der größte Teil des Publikums besteht aus Menschen, die sehr bewusst in Ihrem Konsumverhalten vom Gedanken der Nachhaltigkeit bestimmt sind.

 

Meine Meinung

Ich wurde mich freuen, wenn durch unsere Aktion mehr Menschen für den Gedanken der Nachhaltigkeit gewonnen werden können“.

Die „hundertacht“

Mittlerweile wurde schon zum sechsten Mal der Titel „Flensburgs Klimaschützer“ seitens des Klimapakt Flensburg vergeben. Diesmal erhielt die Auszeichnung die Flensburger Aktionsgemeinschaft „hundertacht“, die sich eigeninitiativ mit dem Thema klimafreundliche Ernährung beschäftigt. Geschäftsstelle des Vereins in Gründung ist die Norderstraße 108, woraus sich auch der Name der engagierten Akteursgruppe ableitet. Die vielfältigen Aktivitäten sind im Wesentlichen durch vier Handlungssäulen gekennzeichnet: Im Gärtnerhof Wanderup werden auf 1,5 Hektar 50 bis 60 verschiedene Gemüsesorten ganzjährig nach biodynamischen Richtlinien angebaut und regional/saisonal vor Ort oder in der Norderstraße an Vereinsmitglieder ausgegeben. In Ergänzung hierzu ist die Lebensmittelkooperative als zweite Säule zu nennen, die von regionalen Erzeugern oder beim Bio-Großhandel unverpackte Lebensmittel einkauft und sie an Ihre Mitglieder weitergibt. Es entsteht kein Verpackungsmüll und Essensreste werden einmal monatlich in der „Küche für Alle“ – dem dritten Handlungsfeld der „hundertacht“ – verarbeitet. Die vierte Handlungssäule ist das „Foodsharing“, bei dem einmal wöchentlich Lebensmittel, die normalerweise weggeworfen werden, zur Umverteilung in die Norderstraße gegeben werden. Vorträge und Filmpräsentationen runden das vielfältige Angebotsspektrum ab. „Der Klimapakt möchte mit der Auszeichnung diese hochengagierte Initiative würdigen und bekannter machen, in der Hoffnung, das die klimafreundlichen Verhaltensweisen der Akteure eine möglichst große gesellschaftliche Strahlkraft aussenden“, so Henning Brüggemann (Klimapakt-Vorsitzender) im Rahmen der Titelverleihung. Für Sebastian Singhofen (hundertacht e.V.i.G.) sind die Aktivitäten der Aktionskooperative gut in einem Satz zusammen zu fassen: „Die Lebensmittel verlieren bei uns ihren Preis und erhalten ihren eigentlichen Wert zurück!“ Interessierte, die mehr über die „hundertacht“ erfahren möchten, können sich informieren unter: www.hundertacht.org oder direkt Kontakt aufnehmen über foodcoop@hundertacht.org bzw. info@hundertacht.org.

Unsere Meinung

Wir verstehen uns als Solidargemeinschaft, bei der wir gegenseitige  Verantwortung für uns und unsere Umwelt übernehmen. Hierzu zählt natürlich auch das Klima. Wir praktizieren eine klimafreundliche und selbstorganisierte Form der Landwirtschaft, bei der durch das Solidaritätsprinzip auch Kosten und Risiken gestreut werden. Dadurch verlieren die Lebensmittel bei uns ihren Preis und erhalten ihren eigentlichen Wert zurück!

Sarah Kim Clausen und Tjard Arendt

Sarah Kim Clausen und Tjard Arendt

Die zwei Auszubildenden Sarah Kim Clausen und Tjard Arendt der Krones AG haben eigeninitiativ eine Fortbildung zum „Energie-Scout“ absolviert und dabei jede Menge energetische Schwachstellen im Bereich der Druckluft- und Lichttechnik aufgedeckt. Dabei geht es im Wesentlichen um die Abdichtung von dauerhaften Leckagen bei den Rohren und den Einsatz von Bewegungsmeldern. Mit der Behebung dieser Defizite spart man nicht nur erhebliche Betriebskosten, sondern liefert auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ausbildungsleiter Karl-Heinz Boysen hat sich mit den beiden Auszubildenden über die Aktivitäten des Klimapaktes unterhalten. Hieraus ergab sich der Wunsch seitens der Auszubildenden, selbst auch aktiv zu werden. Ziel des Projektes ist unter anderem, das auch andere Auszubildende im Unternehmen – aber auch in andere Organisationen – motiviert werden, etwas für den Klimaschutz zu tun. Werksleiter Eckehard Adrian ist von den professionellen Aktivitäten seiner Auszubildenden begeistert und sieht das Projekt als einen Teil der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung.

Hintergrundinfos „Energie-Scouts“:
Die IHK Flensburg bietet ein Qualifizierungsmodul „Energie-Scouts“ für Auszubildende an, das dazu dienen soll, in den Betrieben Energieeinsparpotenziale zu erkennen und zu beheben. Die Qualifizierung umfasst bis zu fünf eintägige Workshop-Module abhängig vom jeweiligen Bedarf und der Branche. Zum einen wird damit dem zunehmenden Interesse der jungen Generation an dem Thema Energieeffizienz nachgegangen, zum anderen erhöht die Fortbildung auch die Ausbildungsattraktivität der Unternehmen, die ihren Azubis damit eine zusätzliche Qualifizierung ermöglichen. Zum Projekt „Energie-Scouts der Mittelstandsinitiative“ sind zwei Videos online zu sehen: https://vimeo.com/133428937 und https://vimeo.com/132907908. Konkretere Informationen erhalten sie direkt bei: Frank Kurbjuhn, IHK Flensburg, 0461 806-350, kurbjuhn@flensburg.ihk.de.

Meine Meinung

Sarah Kim Clausen: Ich hab mich schon immer für das Thema „Umwelt- und Klimaschutz“ interessiert und freue mich, jetzt auch bei der Arbeit hier aktiv werden zu können.

Tjard Arendt: Wir müssen – gerade als junge Leute – zukünftig noch viel mehr Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen!

Prof. Dr. Beate Blaseio

Prof. Dr. Beate Blaseio – Nachhaltigkeit lehren und lernen

Als Professorin für die Didaktik des Sachunterrichts an der Europa-Universität Flensburg engagiert sich Beate Blaseio im Rahmen der Grundschullehrerausbildung für Studieninhalte, die sich mit Fragen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen. Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Zielsetzungen des Faches Sachunterricht in der Grundschule. Die Kinder sollen im Rahmen des Grundschulunterrichts für Fragen der Nachhaltigen Entwicklung sensibilisiert werden. Sie sollen sich kindgerecht mit Problemen aus den Themenbereichen wie Energie, Rohstoffe, natürliche Lebensräume, Konsum und Mobilität auseinandersetzen. Ihre Fragen werden durch handlungsorientierte Zugangsweisen bearbeitet, so dass ein altersgemäßes Verständnis entwickelt werden kann. Das wichtigste Ziel ist, dass die Kinder Interesse für Natur und Umwelt entwickeln und Verantwortung für die zukünftige Gestaltung ihrer Lebenswelt übernehmen wollen. Im Rahmen der Lehrerausbildung für das Fach Sachunterricht lernen die zukünftigen Lehrer und Lehrerinnen bei Prof. Blaseio entsprechende didaktische und fachliche Zielsetzungen kennen und führen Projekte mit Grundschulkindern zu Fragen der Nachhaltigkeit durch. Im Sommer 2016 fand ein Forschertag für 8 bis 11jährige Kinder zum Thema „Energie“ auf dem Campus statt – 120 Grundschüler und Grundschülerinnen aus der Region Flensburg sind zu dem Kinderforschertag in die Europa-Universität gekommen und haben sich dort in vier Projektgruppen handlungsorientiert mit regenerativen Energien beschäftigt. Studierende eines weiteren Seminars von Prof. Blaseio haben Forscherhefte für Grundschulklassen zu verschiedenen Energieformen entwickelt und diese an den beiden Flensburger Grundschulen Friedheim und Ramsharde mit 3. und 4. Grundschulklassen erprobt. Ein drittes Projekt fand in Kooperation mit Dr. Barkemeyer im Naturwissenschaftlichen Museum statt und beschäftigte sich ebenfalls mit dem Schwerpunktthema „Energie“.
Im Herbstsemester 2017 wird Prof. Blaseio im Rahmen ihres bereits seit Jahren laufenden Projektes „Sachunterrichtskoffer“ (Ausleihmaterialien in Rollkoffern für Grundschullehrkräfte) mit einer Studierendengruppe neue Koffer zu den Themen „Energie“, „Konsum“, Mobilität“ und „Klimawandel“ erstellen und mit Grundschulkindern erproben. Diese neuen Sachunterrichtskoffer werden anschließend in einer Veranstaltung den Flensburger Grundschullehrkräften vorgestellt und zur Ausleihe für die Grundschularbeit zur Verfügung gestellt. Mit diesen Materialien können sich Grundschulkinder in Flensburg im Sachunterricht projektorientiert mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Meine Meinung

„Grundschulkinder sind die Gestalter von morgen und werden als nächste Generation weitreichende Entscheidungen zu treffen haben. Für mich ist es wichtig, die Kinder darauf heute vorzubereiten und sie für Fragen der Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Dafür brauchen sie Grundschullehrkräfte, die diese Fragen kindgerecht und kompetent mit ihnen aufgreifen können und die das Interesse der Kinder für diese Fragen wecken und fördern!“

Walter Braasch

Altes mit Neuem verbinden – Braasch Rum

Das eigene Leben immer wieder neu ausrichten, auch mit dem Blick auf den Klimaschutz, immer die neusten Entwicklungen im Auge haben und sich daran anpassen, so lautet die Philosophie von Walter Braasch. Nachdem 1998 die Produktion vieler bekannter Spirituosenmarken in Flensburg eingestellt wurde, begann die Zeit für Walter Braasch, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, um die Tradition der Rumherstellung zu erhalten und neuen Schwung zu verleihen. Gleichzeitig wurde in den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts der komplette Kaufmannshof mit seinen zwei Höfen saniert und auf den neuesten Stand gebracht. Für das seit 1976 im Familienbesitz stehende Wein- und Rumhaus war es völlig klar, sich an die Flensburger Fernwärme anzuschließen. Im Zuge der Renovierungen wurden auf dem Grundstück zehn alte Schornsteine abgerissen. Viel Wert wurde in dem Renovierungsprozess auf die Art der Wärmedämmung gelegt, um einerseits einen hohen Energienutzungsgrad zu erzielen und andererseits die traditionellen Bauelemente und den alten Charme des denkmalsgeschützten Hauses zu erhalten. Nachdem es in der LED-Technik viele Neuerungen gab, wurden auch im historischen Vorderhaus alle Leuchtmittel durch energiesparende LEDs ersetzt. Nicht nur das eigene Geschäft selbst wurde energetisch verbessert, sondern auch das Umfeld, die Rote Straße. Mit dem Umrüsten der Straßenbeleuchtung auf LEDs konnte eine Energie- bzw. Kosteneinsparung von rund 90% erreicht werden. Im Juli 2014 eröffnete das Braasch Rum Manufaktur Museum seine Türen, ausgestattet mit der neuesten Technik. Von energiesparenden Pumpen und spezieller Wärmedämmung über LEDs bis zur selbststeuernden Belüftungsanlage. Nach den vielen Jahren von Umbau bis Neubau ist es für Walter Braasch ein schönes Gefühl, endlich angekommen zu sein. Trotzdem sind für die Zukunft schon weitere Pläne geschmiedet, um sich auch weiterhin für den Klimaschutz einzusetzen und das Erlebnis „Braasch Rum“ für jeden Besucher zu steigern.

 

Meine Meinung

„Was den klimatechnischen Umbau angeht, muss man auch auf sein Bauchgefühl hören. Immer zuerst hinterfragen, ob das, was man macht, auch wirklich sinnvoll ist. Nur weil etwas angepriesen wird, muss es nicht unbedingt gut sein. Klimaschutz muss individuell betrachtet werden und verlangt oft besonderes Fingerspitzengefühl. Besonders hier, wo Klimaschutz auf Denkmalschutz trifft.“

Jan Dreier

Ein neuer Flensburger Klimaschützer! – Jan Dreier

Jan Dreier, auch bekannt als erfolgreicher Flensburger Leichtathlet und Trainer, wurde seitens des Klimapaktes mit seinem Projekt „Spätradfahren“ für den Titel „Flensburg´s Klimaschützer“ nominiert. Das Radprojekt nimmt Bezug auf das sogenannte „Frühfahrradfahren in der Grundschule“. Nach der Grundschule erlernen die Kinder/Jugendlichen nicht mehr das Fahrradfahren, aber sie verlernen leider das tagtägliche Radfahren im Alltag: „Aus meiner Erfahrung heraus haben rund 25 % der Kinder/Jugendlichen zum Teil erhebliche Probleme mit dem Rad im Straßenverkehr zu fahren“ so Jan Dreier. Aus diesem Grunde und aus Klimaschutzgründen werden während des alljährlich stattfindenden Trainingslagers in Wiemersdorf, bei Bad Bramstedt, mit knapp 50 Athleten alle Touren zum Sportplatz (4 Km) und zum Schwimmbad (15 Km) mit dem Rad absolviert. Jeder Teilnehmer fährt rund 100 Km/Woche mit dem Rad. Insgesamt werden so rund 40.000 Kilometer in acht Tagen geradelt. Um mehr Sicherheit beim Radfahren zu erlangen wird ein Extra-Training in einer „Radfahrschule mit Parcours“ durchgeführt. Darüber hinaus unterstützt das Klimapakt-Fördermitglied Fahrrad Petersen das Projekt im Vorwege mit einem kostenlosen Workshop zum Thema Fahrradreparatur. Die Motivation zum Radfahren ist mittlerweile sehr hoch und inzwischen fahren sogar viele Teilnehmer die 120 Kilometer nach Flensburg zurück mit dem Rad. Auch nach dem Trainingslager wird nun fast ausschließlich mit dem Rad zum Training in das Flensburger Stadion gefahren – das „Elterntaxi“ wird seit längerem schon so gut wie nicht mehr gebraucht.

Jan Dreier ist für sein vorbildliches Klimaschutz-Projekt im Jahre 2013 auch vom Landessportverband (LSV) mit dem „Umweltpreis 2013“ ausgezeichnet worden.

 

Meine Meinung

„Für mich ist unser Rad-Projekt eine schöne Bestätigung dafür, wie man nur mit einer Idee viele junge Menschen zu einem klimaschutzorientierten Life-Style in ihrem Alltag bewegen kann.“

Dirk Thöming

Dirk Thöming – Flensburg’s Klimaschützer Nr. 1

Dirk Thöming fährt viel Fahrrad – circa 3.000 bis 4.000 km im Jahr. Oft nutzt er dabei ein E-Bike, da er das Fahrrad auch beruflich nutzt. Seit 1. September 2015 besitzt er ein 15 Jahre (!) altes E-Auto der Marke „Citroen Saxo“ und er wird nun auch sein herkömmliches Diesel-Fahrzeug verkaufen können. Zum Aufladen des E-Autos – aber auch für die generelle Stromnutzung zu Hause – bedient er sich des Ökostromtarifs der Stadtwerke. Um nicht zu große Abstriche bei der Mobilität zu machen, plant er, sich bei einem Freund an einem kleinen Kastenwagen (Diesel) zu beteiligen. Mit diesem Fahrzeug kann er dann gegebenenfalls weitere Strecken zurücklegen oder auch mal größere Transporte durchführen. Doch nicht nur beim Thema Mobilität verhält sich Dirk Thöming verantwortungsbewusst gegenüber dem Klima: Er wohnt in einer eigenen Haushälfte aus den 50er Jahren im Flensburger Norden. An seinem Haus hat er eine komplette Wärmedämmung durchführen lassen, so dass es jetzt fast so gut gedämmt ist, wie ein modernes Haus. Für die Gartenpflege nutzt er einen Akku-Elektromäher. Darüber hinaus entscheidet sich Dirk Thöming bei seinem Einkauf ganz bewusst für regionale und saisonale Produkte.

 

Meine Meinung

„Ich denke, man kann für sich selbst auch mit relativ wenig Geld einen Weg finden, der passt und ich bin froh, jetzt auch beim Autofahren kein ganz so schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen“.