
Jörg Blumenberg, Aufsichtsratsvorsitzender Stadtwerke Flensburg GmbH, Karsten Müller-Janßen, technischer Geschäftsführer Stadtwerke Flensburg GmbH, Andreas Weckesser, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projekte Stadtwerke Flensburg GmbH,
Anton Beck, Geschäftsführer Anton Beck Bauunternehmen GmbH & Co.KG, Julian Wollscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführer Stadtwerke Flensburg GmbH, Leon Twelsiek, Projektleiter enco Energie- und Verfahrens-Consult GmbH (v.l.n.r.)
Stadtwerke legen Grundstein für erste Großwärmepumpe
Die Stadtwerke Flensburg haben am 3. Juni 2026 den Grundstein für ihre erste Großwärmepumpe gelegt. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Flensburger Fernwärmeversorgung. Gemeinsam mit Vertretern ihrer Aufsichtsgremien, der Politik sowie den Bauunternehmen hat das Stadtwerke-Projektteam diesen wichtigen Schritt gefeiert. Für den neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg Julian Wollscheidt ein perfekter Einstieg: „Dass ich bereits an meinem dritten Arbeitstag bei der Grundsteinlegung für diese Großwärmepumpe dabei sein darf, ist ein besonderer Einstieg. Mein Dank gilt den Teams, die dieses Projekt mit großem Engagement vorantreiben. Die Großwärmepumpe zeigt sehr konkret, wie die Stadtwerke Flensburg die Wärmewende vor Ort voranbringen. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen weiterzugestalten.“ Jörg Blumenberg, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Flensburg ergänzt: „Die Grundsteinlegung heute ist ein konkreter Beweis dafür, dass Flensburg die Energiewende nicht verwaltet, sondern gestaltet. Mit diesem Projekt zeigen die Stadtwerke, wie kommunale Daseinsvorsorge und Klimaschutz zusammengehen.“
Am Projekt beteiligt sind unter anderem A. Beck Bauunternehmung GmbH & Co. KG für den Hochbau sowie Johnson Controls Systems & Service GmbH für die Wärmepumpenmodule. „Wir liegen sowohl technisch als auch finanziell voll im Plan und blicken mit großer Vorfreude auf die Inbetriebnahme im kommenden Jahr“, sagt Andreas Weckesser, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projekte, bei den Stadtwerken Flensburg. Die Anlage wird über eine thermische Gesamtleistung von 60 Megawatt (MW) verfügen und ist Teil eines umfassenden Investitionsprogramms für die Umwelt: Rund 70 Mio. Euro davon fließen in das Großprojekt Großwärmepumpe (GWP). Es bildet den Auftakt des Transformationsplans, mit dem die Stadtwerke ihre Fernwärmeversorgung bis 2035 vollständig dekarbonisieren wollen – zehn Jahre früher als gesetzlich gefordert – wenn die Rahmenbedingungen dies zulassen. „Insgesamt investieren wir mehr als 400 Millionen Euro in die zentrale grüne Fernwärmeversorgung. Kein Kunde muss selbst darin investieren, sondern bekommt die grüne Wärme von uns. Aktuell arbeiten wir bereits an den Details der nächsten Ausbaustufe“, erklärt Karsten Müller-Janßen, technischer Geschäftsführer. „Eine weitere Großwärmepumpe ist in Planung. Dabei möchten wir, soweit möglich, die Erfahrungen aus dem aktuellen Projekt gezielt einfließen lassen.“
Die Bauarbeiten schreiten sichtbar voran: Die Tiefgründung mit rund 200 Pfählen ist abgeschlossen – notwendig aufgrund des wenig tragfähigen Baugrunds in unmittelbarer Nähe zur Flensburger Förde. Der Bau des Gebäudes, für die drei Wärmepumpenmodule, die jeweils rund 13 Meter lang, 11 Meter hoch und 8 Meter breit sind, kann jetzt starten. Die Module werden ab Ende 2026 geliefert und die Inbetriebnahme der GWP soll bis Ende 2027 erfolgen. Dann wird erstmals grüne Fernwärme aus der Wärme des Fördewassers an die Flensburger Haushalte geliefert. Das Prinzip dahinter ist einfach und zugleich wirkungsvoll: Eine Wärmepumpe funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Während ein Kühlschrank Wärme nach außen abgibt, um sein Inneres zu kühlen, entzieht die Wärmepumpe ihrer Umgebung Wärme und speist diese in das Heizsystem ein. In Flensburg stammt diese Wärme aus dem Fördewasser, kombiniert mit Strom aus erneuerbaren Energien. Für die Erwärmung des Fernwärmewassers auf bis zu 95° C, wird eine elektrische Leistung von ca. 21 Megawatt benötigt. Der Strom stammt aus erneuerbaren Energien und wird über die neue 110.000 Volt-Leitung direkt in das Flensburger Kraftwerk eingespeist – möglichst direkt aus Schleswig-Holstein, in jedem Fall CO₂-neutral. Ein zusätzlicher Vorteil: Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien kann sinnvoll genutzt werden. „Anstatt erneuerbare Energie abzuregeln, setzen wir sie gezielt für die Wärmeerzeugung ein“, so Weckesser.
Damit die Anlage effizient arbeiten kann, werden auch die Vorlauftemperaturen im Fernwärmenetz gesenkt. Um dennoch die gleiche Wärmemenge bereitzustellen, wird künftig mehr Wasser mit niedrigerer Temperatur durch die Leitungen geführt. Das erfordert teilweise den Ausbau der Netzinfrastruktur – insbesondere durch größere Leitungsdurchmesser. „Unsere Teams im Anlagenbau und den Netzen leisten hier Außergewöhnliches“, betont Müller-Janßen. „Parallel zu zahlreichen Projekten treiben sie die Transformation der Wärmeversorgung mit hohem Tempo voran – mit dem klaren Ziel, Flensburg bis 2035 klimaneutral zu beheizen.“